Ein Gespräch, ein Geschenk und ein Tabu: Warum wir über Dildos reden sollten

Vor einigen Tagen habe ich ein sehr liebes, mir gut bekanntes Ehepaar – Thorsten und Daniela – gefragt, ob sie mir nicht einmal zeigen könnten, wie sie sich den Umgang mit einem Dildo vorstellen. Keine klinische Anleitung, keine peinlichen Floskeln – einfach ihre Sichtweise, mit etwas Ironie und viel Menschlichkeit.

Und was dabei entstand, war weit mehr als eine kleine Session: Es wurde ein humorvoller, ehrlicher und beinahe zärtlicher Blick auf den Umgang von Paaren mit Lust, mit Hilfsmitteln – mit Dildos.


Vom Handwerk zur Provokation

Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal Dildos schnitzen würde. Meine handwerkliche Reise hat ganz woanders begonnen. Doch irgendwann war da diese Idee – Holz als sinnliches, warmes Material, gestaltet mit Respekt und Ästhetik. So entstanden meine Exponate.

Mir war klar, dass dieses Thema nicht überall auf offene Ohren stoßen würde. Aber dass Plattformen wie Instagram oder andere Medien so ablehnend, ja beinahe zensierend reagieren würden – das hat mich überrascht. Kleine, geschmackvolle Bilder meiner Arbeiten wurden gelöscht oder gar gesperrt.

Deshalb habe ich zusammen mit einem mutigen Freund – dem Fotografen @Ludwig61, bekannt aus der Joy – eine eigene Webseite gestartet. Unabhängig. Selbstbestimmt. Und ehrlich.


Ein Geschenk kann mehr sein als ein Gegenstand

Zurück zu Thorsten und Daniela. Auf einem der Fotos kniet  er vor ihr, ein Dildo in den Händen – eine spielerische, augenzwinkernde Szene. Natürlich muss niemand auf die Knie fallen, wenn man ein solches Geschenk macht. Aber genau das ist der Punkt: Es geht um die Geste. Um das Signal. Ein solcher Moment kann neue Gedanken über Sexualität anregen – oder alte Sehnsüchte neu aufleben lassen.

Ich richte mich mit meiner Arbeit nicht nur an junge Menschen – auch wenn sie natürlich willkommen sind. Mein Fokus liegt auf den vielen Paaren, die älter geworden sind, sich körperlich eingeschränkt fühlen, vielleicht nicht mehr so beweglich sind. Menschen, die irgendwann den Zugang zur Sexualität verloren haben – aus Scham, durch Krankheit oder einfach durch das Leben selbst.


Sexualität im Alter: Ein Thema, das (zu) viele verschweigen

Ab einem gewissen Alter sind wir oft nur durch Medikamente noch „fit“. Das neue 60 ist das alte 50 – so heißt es. Aber viele erreichen das nur durch Tabletten. Und oft geht damit etwas verloren: die Lust.

Ob Betablocker, Herztabletten oder andere Medikamente – sie nehmen uns manchmal mehr, als wir wahrhaben wollen. Und es trifft meist nicht den, der die Tabletten nimmt – sondern den Partner, die Partnerin. Denn was fehlt, ist oft unausgesprochen: Nähe, Intimität, Lust.


Ich will nicht belehren – nur zeigen

Ich will hier nicht sagen, was richtig oder falsch ist. Es gibt genug Menschen, die meinen, mit Mitte 30 alles über Sex im Alter zu wissen. Ich will nur mit ein paar Bildern und Gedanken Mut machen. Zeigen, wie viel Freude darin liegen kann, sich neu zu entdecken. Auch – oder gerade – mit einem Dildo.

Und ich möchte sagen: Es ist völlig okay, zu genießen. Es ist mutig, dazu zu stehen. Und ja – es darf auch einfach geil sein.